1922

1922 Faschingszeit im Jahr 1922 in Cleeberg. Im Rathaussaal fanden sich auf Initiative von Wilhelm Thielmann 27 junge Männer zusammen, um nun auch - wie schon fast in allen Dörfern ringsum - einen Gesangsverein zu gründen. Thielmann kam 1920 als Lehrer nach Cleeberg und brachte durch sein Pädagogik- und Musik-Studium die Qualifikation als musikalischer Leiter eines Gesangsvereins mit. Er spielte daneben auch die Orgel in der hiesigen Kirche. Den Cleeberg Schülern ist er allerdings nicht in so guter Erinnerung. Thielmann zeigte sich öfter jähzornig und hatte sogar hin und wieder gewaltsame Züge.

 

Als Mitbegründer und Dirigent bestimmte er selbstherrlich, dass sich der Verein Männergesangsverein "Feierabend" Cleeberg nannte, wozu die anderen Gründungsmitglieder nur widerwillig ihre Zustimmung gaben. So verwundert es nicht, dass mit der Niederlegung des Dirigentenstabs durch Thielmann der Verein rasch in den Namen umbenannt wurde, den er heute noch trägt: MGV "Liederkranz" Cleeberg. Die Begründung für diesen Schritt formulierte jemand denn auch doppeldeutig: "In Cleeberg gibt es keinen Feierabend". Zum Kassierer wählte die Gründungsversammlung Herrmann Arabin, der gleichzeitig auch das Amt des Schriftführers übernahm. 2. Vorsitzender wurde Jakob Schmidt und der 1. Vorsitzende hieß Heinrich Röhrig.

 

Heinrich Röhrig war bekannt als lebenslustiger und guter Sänger, der es verstand, eine ganze Abendgesellschaft zu unterhalten. Im Winter machte er sich zur Aufgabe, den Probenraum, der sich in der unteren Etage des Rathauses befand, anzuheizen. Geboren wurde Röhrig 1883. Er konnte das Große Sängerfest 1935 noch miterleben und starb dann 1938 nach langer, schwerer Krankheit.

Gemischter Chor

Fast zeitgleich mit dem MGV "Feierabend" Cleeberg wurde der Gemischte Chor auf Initiative von Pfarrer Willi Weyel 1922 gegründet. Weyel war erst im Frühling dieses Jahres nach Cleeberg gekommen. Bis zu seiner Pensionierung am 2.6.1927 versah er in der Gemeinde seinen Dienst als Seelsorger. Er hatte, wie die Butzbacher Zeitung am 2.6.1927 schrieb, bei allen Bewohnern durch sein freundliches Entgegenkommen und seine Offenheit vollstes Vertrauen erworben. "Wir sehen ihn ungern scheiden und rufen ihm ein herzliches Lebewohl zu". Pfarrvikar Reinhard Huth aus Eibelshausen übernahm die Nachfolge Weyels.

 

Die Entwicklung des Gemischten Chores kann separat aufgezeigt werden. Dies ist insofern möglich, als sich zwischen beiden Vereinen kaum Gemeinsamkeiten auftaten, und es gab niemanden, der in beiden Chören zeitgleich sang. Im Dorf herrschte somit gesangvereinsmäßig eine klare Abgrenzung, und Eifersüchteleien und Sticheleien waren an der Tagesordnung. So wurde der Gemischte Chor ins Leben gerufen als "Konkurrenzunternehmen" zum Männerchor, jedoch mit einer anderen Zielsetzung. Seine Aufgabe bestand in erster Linie darin, kirchliche und andere geistliche Ereignisse zu umrahmen und mitzugestalten, wie zum Beispiel Missionsfeste, Taufen und Hochzeiten. Die Chorproben fanden, wie die des Männerchores, ebenfalls im Unteren Saal des Rathauses statt, und der erste Dirigent war Ewald Frischholz.

Nach der Teilnahme an der Einweihung des Kriegerdenkmals am 25.4.1923 war die Mitwirkung am Kirchenkonzert am 3.6.1924 ein weiteres herausragendes für den Chor. Die Butzbacher Zeitung schrieb in ihrer Ausgabe am 5.6.1924: "In höchst anerkennens- und dankenswerter Weise hatten künstlerische Kräfte aus Frankfurt ihre Kunst in den Dienst der hiesigen Kirchengemeinde gestellt, um sie bei der Beschaffung von Mitteln für die würdige Ausstattung des Gotteshauses zu unterstützen, und boten den Hörern eine Stunde hohen Genusses, wie sie uns in unserer Abgelegenheit nur selten beschieden ist. Das Zustandekommen der künstlerischen Veranstaltung ist hauptsächlich Herrn Polizeileutnant Itter zu verdanken, der sich damit um seine Heimatgemeinde- er ist geborener Cleeberger- aufs neue ein großes Verdienst erworben hat. In seiner Tochter, Fräulein Käthe Itter, lernten wir eine trotz ihrer Jugend schon vorzüglich ausgebildete Sängerin kennen, deren herrlicher, klangvoller, bei aller Stärke doch weicher Sopran wohl alle Hörer überraschte und für die Zukunft noch hervorragende Leistungen erwarten läßt".

 

Vielen Cleebergern ist Käthe Itter, die dann verheiratete Käthe Gold hieß, noch bekannt als Filmschauspielerin und Akteurin bei Werbespots. Käthe Itter, die 1908 geboren wurde, lebte zuletzt in München, wo sie 1994 verstarb. Die Butzbacher Zeitung schrieb weiter: "Nochmals Dank allen Teilnehmern und dem Gemischten Chor von Cleeberg, der sich mit zwei Liedern beteiligte und trotz drängender Arbeiten (Anm.: Gemeint waren die in der Landwirtschaft) die Mühe nicht gescheut hatte, noch spät abends zum Üben zu erscheinen. Die beiden vorgetragenen Lieder fanden, wie man hört, allgemeine Anerkennung".

 

Am 3.1.1928 war in der Butzbacher Zeitung zu lesen: "In unserer Gemeinde herrscht eben eine starke gesangliche Tätigkeit. Es sind ein Männergesangsverein, ein Gemischter Chor und ein Doppelquartett am Platze. Ersterer steht unter der Leitung des Herrn Lehrer Ernst Röhrig (Pohl-Göns). Die beiden letzteren unter der Führung des Herrn Ewald Frischholz von hier. Am Silvesterabend brachte das Doppelquartett zum ersten male den Chor "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" in unserer Kirche zum Vortrag, der allgemeine Anerkennung fand". (Anm.: Leider ist nicht mehr bekannt, welche Cleeberger Sänger dem Doppelquartett angehörten und in welcher Zeit es existierte.)

 

An Karfreitag 1931 veranstaltete der Gemischte Chor ein Kirchenkonzert, in dem das Passionslied "Golgatha" zu Gehör gebracht wurde. "Das Lied bietet wundervolle Feinheiten. Herr Dirigent Frischholz hat keine Mühe gescheut, wieder etwas Vollendetes zu bieten und den Gemischten Chor auf eine künstlerische Höhe zu bringen", so die "Butzbacher Zeitung". Kurze Zeit später übergab Ewald Frischholz aus gesundheitlichen Gründen den Dirigentenstab an Ernst Schubbert. Einmal wagte es der Gemischte Chor , vom kirchlichen Pfad abzuweichen. Man versuchte sich an einem Theaterstück, das im kleinen Saal im 1. Stock der Gaststätte "Zur Krone" aufgeführt wurde. Waren noch die Proben sehr gut besucht, so fanden sich bei der Premiere, als Eintrittsgeld erhoben wurde, nur sehr wenige Zuschauer ein. Der Gemischte Chor beendete seine Tätigkeit mangels eines Nachfolgers für Ernst Schubbert Ende der Dreißiger Jahre.

Der Gemischte Chor. Aufnahme aus der Mitte der 20er Jahre. Vorne: Herbert Giar und Alfred Launhard. Dahinter von links: Chorleiter Ewald Frischholz, Wilhelm Gotsheim, Christine Höhn, Otto Wißner, Katharina Höhn, Otto Euler, Johannes Frischholz, Lina Höhn, Heinrich Lauber, Louis Höhn, Lina Hartmannshenn, Wilhelm Reitz, Elise Launhard, Katharina Schindel, Sophie Wolfmüller, Frieda Saltenberger (mit Hut), Wilhelm Saltenberger, Ernst Schubert, Luise Röhrig, Lina Arabin, Lina Schubert, Katharina Heep, Luise Hartmannshenn, Fritz Launhard, Katharina Wißner, Katharina Spahn, Lina Schindel, ?, Christine Höhn und Katharina Kaiser.

1924-1926

Aus dem Jahr 1926 stammt die zweite schriftliche Erwähnung des Vereins. In der Butzbacher Zeitung wurde über die Gedenkfeier am Kriegerdenkmal berichtet, die am 4.3.26 stattfand. Pfarrer Weyel hielt die Predigt, und der MGV "Feierabend" Cleeberg sang 2 Lieder.

 

Butzbacher Zeitung vom 16.7.1924: Das Schafe außerordentliche Gewandtheit auf dem Gebiet des Kletterns besitzen, bewies dieser Tage folgender Fall: In Cleeberg, das wegen seiner steilen, gebirgigen Lage bekannt sein dürfte, bestieg ein solcher Vierfüßler vom alten Kirchhof her ein Dach und kletterte unter ziemlichem Gepolter lustig über mehrere Dächer hinweg, bis es sich auf dem Dache der Hofraite des Herrn Hartmannshenn wie ein Einbrecher hinter dem Schornstein verbarg. Ein beherzter Cleeberger holte das blökende und wild um sich schlagende Tier unter einiger Lebensgefahr herunter und übergab es seinem in Angst bebenden Besitzer, den der Spaß allerdings einige hundert Ziegelsteine kosten dürfte.

 

Butzbacher Zeitung vom 1.4.1926: Cleeberg, 1. April. Vor einigen Tagen wurde hier eine warme Mineralquelle entdeckt. Schon im Jahre 1907 hatte beim Bau der Wasserleitung der bekannte Geologe und Wünschelrutengänger Prof. Nons-Ens am Fuße der Altmark in der Nähe des Altmarkbäumchens, in einer Tiefe von etwa 8 Meter eine Quellenader entdeckt. Auf die Erschließung derselben legte man aber keinen Wert, weil schon im oberen Aulbachtal genügend Trinkwasser gefunden wurde. Bei den Ausgrabungen für die an dem Altmarkbäumchen vorbeiführenden Leitung fand man damals schon einige Überreste einer alten, primitiven Wasserleitung, die nach dem Sachverständigengutachten nach der von den Grafen von Cleeberg und Mörlen im Jahre 1160 erbauten Burg geführt hatte. Wahrscheinlich ist durch die Errichtung des aus Eisenbeton bestehenden Sammelbehälters am Altmarkbrunnen der Wasserader der Weg versperrt worden, so daß sie sich einen anderen Ausweg suchen musste. Merkwürdigerweise ist nun seit dem Bau des Sammelbehälters eine höher gelegene Stelle in der Altmark immer warm und feucht gewesen und bei Frost stiegen aus dem nie gefrorenen Waldboden öfters Wasserrdämpfe auf. Diese Stelle befindet sich dort, wo der Waldweg vom großen Wasserbassin des Biergartens kommend, an dem reizendsten Aussichtspunkt der Altmark: "an den 8 Fichten", etwa 80 Meter nördlich des Steinbruches, eine scharfe Biegung macht und in westlicher Richtung parallel mit dem tief unten gelegenen Wiesental, dem Aulbachergrund, weiter führt. Es war ein Zufall, dass vor einigen Tagen einige Arbeiter "unter den 8 Fichten" aus irgend einem Grunde ein Loch gruben und in etwa 2 Meter Tiefe auf eine sehr warme Quelle von 44,5 Grad Wärme stießen. Die eingesandten Proben ergaben eine dem Nauheimer Sprudel ähnliche thermometrische Analyse. Interessant dürfte es sein, dass auf dem bewaldeten höchsten Punkt des Altmarkkopfes, der den ihm vorgelagerten Hügel, auf welchem die Burg Cleeberg erbaut ist, um etwa 280 Meter überragt, auch auffallende Reste eines Römerkastells mit kraterähnlichen Erscheinungen wahrzunehmen sind. Ob diese Tatsache mit der 500 Meter weiter unten, allerdings noch spärlich fließenden warmen Quelle im Zusammenhang gebracht werden kann, muß der näheren wissenschaftlichen Untersuchung vorbehalten bleiben. Jedenfalls wird aber der Ort Cleeberg, der bisher wegen seiner herrlichen Lage das Ziel vieler Wanderfreunde war, durch seine warme Mineralquelle, die wie erwähnt, an dem reizendsten Aussichtspunkt der Altmark, nur 200 Meter vom oberen Dorfe, entspringt, noch mehr als bisher von allen Naturfreunden aufgesucht werden.

 

Butzbacher Zeitung vom 9.7.1926: Cleeberg, 8. Juli. Von gestern Abend bis heute früh entluden sich mehrere Gewitter über unserem Dorf. Unaufhaltsam strömten Regenmassen nieder, wie sie in dieser Jahreszeit hier noch nicht beobachtet wurden. Von den Bergen flossen unzählige Sturzbäche herunter ins Tal. Der Kleebach, zum reißenden Fluß angeschwollen, trat über die Ufer und überschwemmte weithin die Wiesentäler, Geröll und große Steine mit sich führend. Aus Jeder Felsspalte unseres Gebirgsdorfes fließt noch unaufhörlich Wasser, das in die Ställe, Scheunen und Keller eingedrungen ist. Soweit sich heute übersehen läßt, ist auch der Schaden auf den Feldern ganz beträchtlich. Das unaufhörlich starke Donnern und das Blitzen zur Nachtzeit lösten selbst bei manchen Erwachsenen ein Gefühl der Ängstlichkeit aus. Nur ein 5-jähriges Mädchen aus unserem Dorf kannte keine Angst. Als es gefragt wurde, ob es sich auch vor dem Donnern und Blitzen fürchte, antwortete die Kleine ganz ernst: "Nein, wir haben ja einen großen Hund in der Hütte."

1927

In diesem Jahr übergab Wilhelm Thielmann , der sich dann Anfang der 30er Jahre nach Eppstein/Taunus versetzen ließ, aus gesundheitlichen Gründen die musikalische Leitung an seinen Berufskollegen Ernst Röhrig. Röhrig wurde 1905 in Pohl-Göns geboren. Er war lediglich "Aushilfsdirigent" in Cleeberg, zur Überbrückung des Zeitraums bis zum Spätsommer 1928, als dann Otto Knorz das Amt endgültig übernahm. Es ist nicht bekannt (auch nicht in Pohl-Göns), daß Röhrig weitere Chöre dirigiert hätte. Er war Lehrer von Beruf und starb 1984 in seinem Heimatort. Mit der Niederlegung des Dirigentenamts durch Wilhelm Thielmann erfolgte auch die Umbenennung des Vereins von MGV "Feierabend Cleeberg in MGV "Liederkranz" Cleeberg.

 

Butzbacher Zeitung vom 21.12.1927: Cleeberg, 20. Dezember. Vor einigen Tagen quartierte sich in der Wirtschaft "Zum Deutschen Haus" ein Fremder unter dem Namen Maler Rohrmann ein. Er gab an, Verschiedene hiesige Einwohner zu kennen. Auch wußte er in der Umgegend Bescheid. Allgemein fiel auf, dass er sich Nicht rasieren ließ und immer die neueste Zeitung verlangte. Trotzdem er dazu zwischen Licht und Dunkel erschien, schenkten ihm die Wirtsleute vollstes Vertrauen und bewirteten ihn auch dementsprechend. An hiesige Beamte richtete es dazu noch Grüße von Usinger Bekannten aus. Die Sache ging ganz gut bis der gute Mann am Sonntag Vormittag unter Hinterlassen seines Gutes und seiner Kappe verschwand. Seinem ganzen Benehmen nach nimmt man an, es mit einem steckbrieflich Gesuchten zu tun zu haben. Bekleidet war der Betreffende mit gelben Stiefeln, Sportstrümpfen und Windjacke. Er trug ziemlich starken stoppeligen Bart, auch fehlte ihm einer der linken Schneidezähne. Die Polizei dürfte auf diesen Gauner ihr Augenmerk lenken. Er nahm seinen Weg nach Oberwetz.

1928

Unter der musikalischen Leitung von Ernst Röhrig fand vom 9.-11.6. das erste Sängerfest mit Fahnenweihe statt. (Anm.: Es ist leider nicht überliefert, wie die Fahne aussah und wo sie verblieben ist.) Die Butzbacher Zeitung machte in ihren Ausgaben vom 30.5. und 9.6. kräftig Werbung für dieses Ereignis. 20 Vereine aus der Umgebung hatten ihre Zusage zur Teilnahme am Freundschaftssingen abgegeben, und die Butzbacher Zeitung resümierte am 11.6.1928: "Das gestrige Sängerfest erfreute sich eines guten Besuches und nahm, von einer kleinen Reibung abgesehen, die auf Mißverständnissen beruhte und sofort erledigt war, einen schönen Verlauf. Unser idyllisch gelegener Festort hatte sich prächtig geschmückt und auf dem reizend im Tale gelegenen Festplatz entwickelte sich ein munteres Leben und Treiben. Fleißig wurde dem Gesang gehuldigt und meisterhafte Chöre waren zu hören."

 

Diese Fest schien einen Ruck in der männlichen Cleeberger Bevölkerung ausgelöst zu haben, denn am 11.12.1928 meldete die Butzbacher Zeitung: "Der hiesige Gesangverein "Liederkranz" erfreut sich im letzten Jahr eines starken Zuwachs. Beträgt doch die Neuanmeldung im verflossenen Jahr ungefähr um 20 Sänger." Zu diesem Zeitpunkt stand der Verein bereits unter der Leitung von Otto Knorz. Knorz war Landwirt und Gastwirt und stammte, wie sein Amtsvorgänger, aus Pohl-Göns. Er wurde am 1.3.1905 geboren und arbeitete nach der Schulzeit in der Verwaltung der Firma Bamag in Butzbach. Die musikalische Grundlagen, die er Später als Dirigent brauchte, erarbeitete er sich im Selbststudium, wozu ein natürliches Talent und viel Fleiß unerläßlich waren. Knorz war bis 1937 Dirigent in Cleeberg und verstarb am 18.02.1965. Die älteren Cleeberger Sänger erinnern sich noch an die Leidenschaft, mit der er das Dirigentenamt versah. Das Motorrad, mit dem er einmal wöchentlich zu den Chorproben nach Cleeberg kam, soll vom Verein finanziert worden sein.

 

Der Verein machte auch sängerisch unter dem Dirigat von Knorz erhebliche Fortschritte, was man am Ergebnis des Wertungssingens in Eschbach ablesen konnte. Gute Beurteilungen hatten die Cleeberger erhalten, die zu Fuß nach Eschbach gekommen waren, um an dem Ereignis teilzunehmen. Busse gab es noch nicht. Der Vereinsbeitrag belief sich damals auf 0,30 Mark im Monat und wurde in bar eingesammelt. Im Winter teilten sich jeweils 2 Sänger im wöchentlichen Wechsel die Aufgabe, den Probenraum im Rathaus anzuheizen, damit die Sänger nicht im Kalten saßen.

1929

In diesem Jahr wurde am 14.2. in der Butzbacher Zeitung erstmals über eine Generalversammlung des MGV "Liederkranz" Cleeberg berichtet. Die Versammlung muß einen sehr harmonischen Verlauf genommen haben, da der alte Vorstand einstimmig in seinem Amt bestätigt wurde. Man beschloß noch im Laufe der Versammlung, an einem Gesangswettstreit teilzunehmen.

 

Dieser Gesangswettstreit fand im Heimatort von Otto Knorz, Pohl-Göns, in der Zeit vom 22. Bis 24.6.1929 statt. Der MVG "Liederkranz" Cleeberg, der in seiner Klasse gegen den GV "Germania" Ostheim bei Butzbach anzutreten hatte, brachte die Lieder "Wanderschaft von K. Zöllner und "Mein Mädel hat einen Rosenmund" von Karl Hirsch zum Vortrag. Angereist war der Verein mit folgenden 41 Sängern: 1. Tenor: Heinrich Jung IV, Friedrich Kaiser, Hermann Arabin, Robert Löchel, Willi Sann, Albert Wagner, Willi Hoffmann, Willi Köhler, Richard Frischholz, Robert Launhardt; 2. Tenor: Karl Spahn, Heinrich Schindel, Karl Hartmannshenn, Wilhelm Kaiser I, Martin Weber, Otto Morgel, Johannes Wagner, Walter Höhn, Otto Jung I, Wilhelm Launhadt, Albert Jung; 1. Baß: Wilhelm Euler, Richard Reitz, Jakob Schmidt, Louis Klingelhöfer, Otto Jung II, Karl Höhn, Albert Reitz, Wilhelm Krämer II, Otto Schindel, Willi Kaiser, Albert Lemp, Otto Weber; 2. Baß: Heinrich Röhrig, Karl Wißner, Paul Wißner, Heinrich Launhardt, Wilhelm Reitz, Hermann Höhn I, Andreas Hofmann, Philipp Jung. (Anm.: Leider ist das Ergebnis dieses Wettstreits nicht festgehalten)

1930

Mit Wirkung vom 1.1.1930 wechselte der Verein vom Solmser Sängerbund in den Sängerbund Hausberg-Wettertal, dessen Vorsitzender damals Herr Lehrer Breitenbach aus Hoch-Weisel war.

 

Am 9.2. sollte der Liederabend des Vereins stattfinden. Es war beabsichtigt, "Volkslieder alter und moderner Art abwechselnd mit einigen Liedern neuerer Komponisten zur Darbietung zu bringen", wie zum Beispiel die Lieder "Sängergruß", "Das Ringlein", "Am Holunderstrauch", "Lilien sinds", "Wiegenlied", "Wanderschaft" und andere. Für den gemütlichen Teil hatte man den damals bekannten Humoristen Herrn Hain aus Friedberg verpflichten können. Wegen eines Trauerfalls mußte der Termin des Liederabends dann auf den 16. Februar verschoben werden.

 

Der Saal des Gasthauses "Deutsches Haus" war bei diesem Ereignis zum Bersten gefüllt. Die Butzbacher Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 18.2.1930: "Nach einem Begrüßungschor des Vereins sprach das Vorstandsmitglied Hermann Höhn in markanten Worten, noch mehr denn bisher für das deutsche Volkslied zu arbeiten und den Verein in jeder Beziehung tatkräftig zu unterstützen. Es folgte dann eine Reihe vorzüglich ausgewählter Volkslieder, die bei den Erschienenen vollsten Anklang fanden. Den Mitwirkenden sei an dieser Stelle mit vollem Dank gedacht. Als weiteren Erfolg konnten wir einige Neuaufnahmen buchen."

1931-1932

Zu Beginn des Jahres 1932 übernahm Hermann Höhn (geb. 1899, gest. 1965) den Vorsitz des Vereins. Er war Nachfolger des erkrankten Heinrich Röhrig. Hermann Höhn hatte sich bereits vorher als "Der Redner" einen Namen gemacht, der es verstand, das Publikum durch seine Worte zu fesseln.

 

Im Mai nahm der Verein an einem Wertungssingen des Sängerbundes in Rockenberg teil. Wertungsrichter war der Sachverständige Herr Brückner aus Offenbach. Im September dieses Jahres verstarb Andreas Hofmann, der älteste Aktive des MVG "Liederkranz" Cleeberg, im Alter von 72 Jahren. Die Beerdigung, an der der Verein teilnahm, war am Sonntag, den 11.9. Hermann Höhn hielt die Trauerrede, in der er betonte, dass Andreas Hofmann "stets ein warmes und aufrichtiges Interesse für das Gedeihen des Gesangsvereines zeigte und gerne seine Person zum tatkräftigen Arbeiten zur Verfügung stellte." Ein Kranz wurde am Grabe niedergelegt.

1933

Am 5.1.1933 fand die Generalversammlung des Vereins statt, über die am 13.1. die Butzbacher Zeitung berichtete: "Zu Beginn gedachte der 1. Vorsitzende in warmen Worten des kranken Ehrenpräsidenten sowie der Toten des Jahres 1932. Aus dem folgenden Geschäfts- und Kassenbericht konnte man feststellen, dass Mitgliederstand, Chorprobenbesuch und Kassenverhältnisse unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Niedergangs zufriedenstellend sind. Eine Familienfeier, der Zeit entsprechend aufgebaut, wurde für Ende Januar festgelegt. Der Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung einstimmig wiedergewählt.

 

Nach einem warmen Appell an alle Sänger, in dieser notbewegten Zeit dem deutschen Liede die Treue zu bewahren und mitzuarbeiten an Deutschlands Wiederaufbau, schloß, mit einem donnernden Hoch auf Verein und Vaterland, der 1. Vorsitzende die sehr anregende Versammlung."

1934

In der Generalversammlung Anfang dieses Jahres wurde Paul Wißner (geb. 1908. gest. 1972) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Paul Wißner war ein Idealist, der sein Leben in den Dienst des Vereins und des Gesangs stellte. Er übte das Amt des 1. Vorsitzenden bis 1952 aus, lediglich unterbrochen durch das Ruhen des Singstundenbetriebs von 1941 bis 19466. Unter Wißners Führung fanden die bedeutenden Sängerfeste von 1935 und 1952 statt.

1935

1935 war das Jahr des großen Sängerfestes. (Anm.: Warum dieses ausgerechnet 13 Jahre nach Gründung des Vereins stattfand, wußte niemand mehr zu sagen.) Das Ereignis war für das Dorf von besonderer Bedeutung. Selbst die Butzbacher Zeitung widmete gleich 5 mal in diesem Artikel über Festvorbereitungen und -verlauf. Am 9.2. wurde bekannt gegeben, dass der Verein unter seinem Dirigenten Otto Knorz einen großen Aufschwung genommen und dass der Vorstand beschlossen habe, sich ein Symbol in Form einer Vereinsfahne zuzulegen.

Die Einweihung der Fahne sollte im Rahmen eines Volksfestes vorgenommen werden, zu dem auch Herr Breitenbach aus Hoch-Weisel als Vertreter des deutschen Sängerbundes eingeladen worden war. Die Butzbacher Zeitung wünschte dem Fest bereits jetzt mit einem "Lied hoch" ein glückliches Gelingen. Und schon Anfang März traf die neue Fahne in Cleeberg ein. Die Eröffnung des Festes am 10.6.1935 (Pfingsten) gehörte zu den ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters Heinrich Klingelhöfer.

Festdamen beim Festzug in der Nähe des Schloßeingangs: Emma Morgel geb. Jung, Emma Schmidt geb. Lauber, Hilda Hartmannshenn geb. Kaiser, Hilda Vogt geb. Hartmannshenn, Hilda Petry geb. Höhn, Hilda Walberer geb. Höhn, Lina Höhn geb. Kaiser, Hilda Nesseldreher geb. Werling

Die Butzbacher Zeitung berichtete am 11.6.1935 über den Festverlauf: "Bei strahlendem Sonnenschein und herrlichem Pfingstwetter fand heute in unserem so herrlich gelegenen Gebirgsort die Fahnenweihe des hiesigen Gesangsvereins "Liederkranz" statt, mit dem zugleich ein Sängerfest verbunden war. Außer einer großen Anzahl Brudervereine hatten sich auch viele sonstige Gäste von nah und fern eingefunden. (Anm.: Es waren etwa 20 Vereine). Unser Ort hatte Flaggenschmuck und frisches Waldesgrün angelegt. Ein stattlicher Festzug bewegte sich in den frühen Nachmittagsstunden durch die Ortsstraßen.

Am Gefallenendenkmal an der Kirche wurde dabei Halt gemacht. Die Musik spielte zu Ehren der Gefallenen das Lied vom guten Kameraden, während die Fahnen sich senkten. Nach kurzer Begrüßung auf dem Festplatz durch den Vereinsführer Wißner nahm der Führer des Hausberg-Wettertal-Sängerbundes, Lehrer Breitenbach mit einer kernigen Ansprache die Weihe der Fahne vor. Liedervorträge des festgebenden Vereins und der Gastvereine schlossen sich an. Auf dem herrlich gelegenen Festplatz (Anm.: Der Festplatz lag "vor dem Hain", eingebettet zwischen Kleebach und Cleebaum) entwickelte sich ein frohes Festtreiben und frohe Feststimmung. Gar manches schöne Lied erscholl noch in zwanglosem Kreise. So verlief denn das Sängerfest aufs allerbeste, dazu hatten alle Faktoren mitgewirkt. Neben hauptsächlich dem herrlichen Wetter auch insbesondere die treffliche Festwirtschaft. Es wird bei allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben."

1936

Unter der Leitung des Cleeberger Lehrers Straub sangen sieben Cleeberger Jugendliche drei Spinnstubenlieder, wie z.B. Ein Wächter auf dem Türmlein saß" und "Klinge hell, du mein Feinsliebchen" im Rahmen der Radiosendung Goldene Ähren und perlender Wein", die vom Reichssender Frankfurt von der Reichsnährstands-Ausstellung ausgestrahlt wurde.

 

Bei den Cleeberger Jugendlichen handelte es sich um Else Winter geb. Euler, Lina Höhn geb. Kaiser, Luise Kaiser geb. Jung, Erna Knorz geb. Hartmannshenn und Frieda Saltenberger geb. Euler dazu Willi Hofmann und Herbert Giar, die beide damals bereits aktive Mitglieder im MVG "Liederkranz" Cleeberg waren.

1937-1938

Im Jahr 1937 legte Otto Knorz auf eigenen Wunsch das Dirigentenamt in Cleeberg nieder. Sein Nachfolger wurde Karl Völk aus Oberquembach. Hauptberuflich war Völk bei den Leitz-Werken in Wetzlar als Optiker tätig. Er ist als Soldat im zweiten Weltkrieg gefallen.

Völk kam, wie sein Vorgänger, mit dem Motorrad nach Cleeberg. Bei der Anfahrt zum Weihnachtskonzert 1938 blieb er mit seinem Motorrad "Am Zollstock" im Schnee stecken. Kurzerhand ließ er sein Motorrad dort liegen und eilte zu Fuß zur Cleeberger Kirche- und das Konzert konnte dadurch noch pünktlich beginnen. Der MGV beim Singen im Schloßhof.

Vermutlicher Anlaß war der Abschluß des Reichsleistungswettkampfes der gießener Studenten in Cleeberg. Erkennbar sind: Robert Berkenbusch, Ewald Heep, ?, Richard Reitz II, Louis Klingelhöfer, Herbert Giar, ?, Paul Wißner, Walter Jung, unbekannter Dirigent und Rudi Höhn.

1939

Beim Wettstreit 1939 in Burgsolms belegte der Verein unter Karl Völk mit den Liedern "Fern vom Land der Ahnen" und "Du mein einzig Licht" den 1. Platz unter 20 Vereinen.

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