Kanutour des MGV Liederkranz Cleeberg

Cleeberg (jd): Am Wochenende des 15. und 16. August begab sich eine Abordnung des MGVs wieder einmal auf eine Kanutour. Die geplante Strecke: Wassern in Weilburg, nächtlicher Zwischenstop in Runkel und Trockenlegung in Dietz. Am sehr frühen Samstag morgen, um 8:00 Uhr trafen sich die nicht wasserscheuen Sänger am Bürgerhaus um die Autofahrt nach Weilburg anzutreten.

Lahn-km 38,2 - Wasserung der furchtlosen É Boote: Nach einer kurzen Instruktion der Kanu-Bedienung und Verhaltensregeln auf der Lahn durch einen Knecht des Kanuverleihs konnte es endlich los gehen. Ein kurzer Auszug der Instruktionen, vorbereitend für später: Bei alkoholisierter Fahrt selbst mit einem Kanu auf der bürokratisch reglementierten Wasserstraße oder Rotschildmißachtung (Wasserweg-Ampeln) kann einem die Fahrerlaubnis entzogen werden. Außerdem gab es Tipps zum Wiedereinstieg nach einer Kenterung. Los gings!

Lahn-km 38,21 - Wasserung der Bieranhänger: Dabei handelt es sich um Schwimmreifen, die mit einem Gurt einen grünen Erfrischungswürfel in der Lahn kühlt.

Lahn-km 39,5 ­ freie Radikale: Die erste Schleuse im Weilburger Tunnel. Wir sind nicht allein. Ungefähr 573 weitere Kanus mit gefühlten 1235 Kanuten drängen sich in dem schmalen und dunklen Tunnel zur Schleuseneinfahrt. Unter den Gesellen befinden sich sowohl emanzipierte 68er Frauen als auch volltrunkene Heranwachsende und eben die vorbildlich vordrängelde Sängertruppe. Diese Zusammensetzung führte unausweichlich zu einer explosiven Mischung aus Emotionen (wilde Beschimpfungen durch die 68erinnen bzgl. des Überholens) und Handlungen (wildes spritzen mit Super-Soaker durch die volltrunkenen Heranwachsenden), welche durch ein gemütliches Fleischwurstfrühstück der MGV-ler gewohnt lässig gekontert wurde.

Lahn-km 42 - Einholung der Bieranhänger: Selbst von den tapfersten Recken wurden die Bier-Anhänger nun eingeholt, da diese einen gefühlten cw-Wert einer Bohrinsel aufwiesen.

Lahn-km 44 ­ Lahnvermessung: Die Hobby-Karthografen Michael Friedrich und Rolf Jung vermessen die Lahnbreite bereits zum vierten mal.

Lahn-km 45 ­ Tauchversuche: Die Hobby-Karthografen begnügten sich nach der siebzehnten Vermessung der Breite der Lahn nun nicht mehr mit den so gewinnbaren Daten und nahmen nun mittels einer geschickten Kenterung auch eine längst überfällige Tiefenmessung der Lahn vor. Michael nahm seine Aufgabe derart ernst, dass schließlich nur noch der Hut á la Indiana Jones zu sehen war. Hierbei machten verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie beispielsweise eine Kühlbox mit Steaks die bislang nicht angedachte Bekanntschaft mit dem kühlen Nass. Jetzt konnten also die Eingangs vermittelten Tipps des Instruktors zum Wiedereinstieg nach einer Kenterung erfolgreich eingesetzt werden.

Lahn-km 46 ­ Internet vs Realität: Die im Internet ausgewiesene Routenlänge von 17 km wurde durch die Feststellung dass sich der Camping-Platz in Runkel bei Lahn-km 66 befindet, ad absurdum geführt. Abrupt endeten lustige Spielchen sowie Überholversuchen und wichen dem disziplinierten und verzweifelten Versuch, das Ziel noch bei Tageslicht zu erreichen. Für Lahnvermessungen war nun keine Zeit mehr. Am Ende des Tages musste der angenehmen Internetangabe von 17 km die raue und brutale Wirklichkeit von 28 km weichen.

Lahn-km 49 - Schwäne füttern: Nach drei Intensiven Paddel-Kilometern war eine Rast zwingend erforderlich. Nicht nur die leeren Mägen der Sänger wurden dabei gefüllt, auch die anwesenden Schwäne erhielten etwas vom Sängerschmaus und trugen im Gegenzug zu deren Belustigung bei. Ab hier stimmte nun Realität und Anfangswegstrecke überein.

Lahn-km 63: Die Hobby-Kartographen vermessen zum 64. mal die Breite der Lahn.

Lahn-km 66 - Runkel: Das heilige Land ist erreicht und die Strapazen einer anscheinend endlosen Strecke werden durch den Appetit auf das sehnsüchtig erwartete Grillen ersetzt. Schon während der Grill-Vorbereitungen werden die müden Krieger auf die Folter gespannt, ob die Grillversuche des Nachbarzeltes zum Erfolg führen würden.

Grillen wie man es richtig macht und wie man es nicht tun sollte: Man kann einen Dreibein mit Kohle und einem geeignetem Grillanzünder zur Nahrungszubereitung verwenden ­ wie es die Sänger taten ­ oder aber äußerst unprofessionellen Einweggrills ­ so die muntere Junggebliebenen-Gruppe vom Nebenzelt. Das Ergebnis ließ sich schon anhand dieser Vorbereitungen erahnen: Schon nach kurzer Zeit und unter der Obhut eines ambitionierten Feuerteufels trieb der leckere Geruch des Fleisches den Sängern das Wasser im Mund zusammen und ein kleines bisschen später servierte Toni den Recken die Köstlichkeiten.

Die Sänger hatten also den ersten Gang absolviert, bei den Nachbarn hingegen kam noch nicht einmal die Glut in die richtige Wallung. Doch nicht nur anhand der Grillutensilien ließen sich die Profis von den Amateuren unterscheiden, auch das Grillgut wies extreme Differenzen auf; ein Grill voller Fleisch gegen zierlich in Alufolie verpacktes Suppengrün. Von den Sängern hatten jeder seine eigene Portion mitgebracht, der eine weniger, ein anderer "Reif"-lich mehr. Nachdem die Sänger auch den zweiten und dritten Gang vollzogen und damit das Mahl beendet hatten, war bei den Nachbarn immer noch kein Fortschritt zu erkennen. Voll des Mitleids zumindest mit der Hälfte der Gruppe ­ den Männern ­ boten die Sänger an, man möge doch ihren Grill benutzen, die Glut reichte eh für die Versorgung aller Gäste des Zeltplatzes aus.

Vollgefressen brach dann unerwartet früh die Müdigkeit über die Sänger herein. Auf dem Weg zu den Zelten zeigte sich dann noch ein seltenes Naturschauspiel der besonderen Art: Tausende von ­ vermutlich ­ Eintagsfliegen kreisten und verdeckten teilweise völlig die Sicht auf die Laternen der nebenan vorbeiführenden Bundesstraße. Die Nähe der Straße und den darauf reitenden, meist galoppierenden Reitern aus dem "Land der Könige" in ihren unsagbaren Karossen stahlen mindestens einem Sänger regelmäßig die Ruhe der Nacht. Diverse Beischlafgeräusche aus dem Nachbarzelt wiederum wurden von einem anderen Teil der Sängerschaft mit wissenden Blicken und Kommentaren belegt.

In den frühen Morgenstunden gestärkt durch ein ausgeprägtes Frühstück ­ Reste des "Reif"en Grillguts und / oder Nutella-Brötchen ­ nahmen die Sänger wieder die "Paddelhaltung" ein. Es bot sich den Sängern ein geradezu romantisches Bild des Sonnenaufgangs über der idyllischen im leichten Morgennebel verhüllten Lahnaue. Besagte Sonne war es aber auch, vor der sich der eine oder andere Sänger an diesem Tag noch besser bzw. erstmalig schützte. Die teilweise schmerzhaften Spuren vom Vortag mussten mit kühlender Tinktur (u.a. Lahnwasser) behandelt werden. Dies diente gleichzeitig als dringende Vorbehandlung, da dieser Tag ebenso sonnig werden sollte.

Lahn-km 72,3 ­ Fallensteller: Nichts ahnend und fast naiv trieben die Sänger auf eine Falle zu. Hinterlistig gespannte Schnüre durchziehen das Gewässer auf der Jagd nach den Gräten-Tieren der Tiefe. In letzter Sekunde erkannten sie aber noch die drohende Gefahr. Ein aufgebrachter Petrijünger eilte herbei, hatte er schon das ungewollte auslösen seiner Falle erkannt. Ein wildes Wortgefecht folgte, das in ungetrübter Weiterfahrt der Sänger verklang.

Lahn-km 80 ­ Schleuse / Führerscheinentzug / Bußgeld / Wichtigtuerei? Die Sänger treiben im Wasser auf die letzte Schleuse der Tour zu. In Erwartung, dass sich die Pforten zum Einfahren öffnen, bemerken die Sänger einen herbeieilenden, wild gestikulierenden Schleusenwärter. Die Sänger hatten der Wasserstraßen-Zeichen-Anlage, die die Ein- und Ausfahrt regelt, nicht bemerkt und ihr deshalb keine ausreichende Beachtung geschenkt. Unter der Androhung eines Bußgelds oder gar dem Führerscheinentzugs traten die Sänger den strategischen Rückzug an, begaben sich hinter einer Böschung in Lauerstellung, und warteten gespannt die Beruhigung des Schleusenwärters ab. Nun erst erkannten auch die Sänger die Wasserstraßen-Zeichen-Anlage als solche und konnten gespannt ihre Funktionalität in Augenschein nehmen. Die Einführenden Instruktionen des Kanu-Verleih-Knechts kamen wieder ins Gedächtnis.

Lahn-km 83,2: Die Sänger visieren die vermeintliche End-Anlegestelle an. Der herbeieilende Inhaber der Anlegestelle ließ verlauten, dass hier nur Boote des ansässigen Ruderklubs anlegen dürfen und die Sänger also nicht richtig sind.

Zurück zu Lahn-km 83,1, linke Seite: Erneut visieren die Sänger eine vermeintliche End-Anlegestelle an. Der herbeieilende Inhaber der Anlegestelle ließ verlauten, dass hier nur Boote eines anderen Kanuverleihs anlegen dürfen und die Sänger also nicht richtig sind.

Zu Lahn-km 83,1, rechte Seite: Erneut visieren die Sänger eine vermeintliche End-Anlegestelle an. Der herbeieilende Inhaber der Anlegestelle É blieb aus, also konnten die Sänger ihre Boote endlich trocken legen und die Heimreise antreten.

Heimfahrt: Aufgrund eines zwielichtigen Umzugs in Runkel, wurde den tapferen Heimkehrern die Durchfahrt verwährt. Der Organisator der Tour (Jens Dudenhöfer), welcher hier noch einmal lobend erwähnt werden soll, machte sich hieraus aber nichts und beschloss kurzer Hand den Festumzug mit seinem PKW anzuführen, bis die Abfahrt zur heimwärts führenden Bundesstraße die Wege trennte. Dies wurde von den Besuchern des Festzugs mit Videokameras und ungläubigen Blicken gewürdigt.

 

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