17. Juli 2009 CLEEBERG (wj). Einmal mehr hieß es auch in diesem Jahr, "Wahnsinn, do foar mer aach met". So machten sich am Freitag, dem 17. Juli mehr als zwanzig unerschrockene Männer fast jeden Alters ahnungslos auf den Weg, den Jens Dudenhöfer (harmloser Spitzname Dudi...) geplant hatte. Nach kleiner Startverschiebung wegen eines Gewitterregens ging es gegen 10:00 Uhr endlich in Richtung Westerwald los. Westerwald...richtig, das bedeutet Wald und Wiesenlandschaft aber auch Hügel und Täler. Zunächst ging es aber noch durch gewohnte Gefilde was die Sprinter im Feld gleich nutzten, um ordentlich Dampf zu machen und die Durchschnittsgeschwindigkeit in die Höhe zu treiben. "Der etwas andere Chor" machte auch hier seinem Namen wieder alle Ehre. Wer sich auf ein gemütliches Trödeln eingestellt hatte, der überprüfte seine Fahrrad schon auf dem ersten kurzen Halt vor Braunfels nach Schwachstellen bei der Aerodynamik. Auch großzügige Kleidungsstücke wurden schleunigst verstaut. Das war auch gut so, denn langsam aber sicher kamen die ersten Steigungen und so mancher wollte es sich nicht nehmen lassen, die eigentlich gar nicht vorgesehene "Bergwertung" für sich zu entscheiden.
Spätestens jetzt zeigte sich, wer die sonntäglichen Ausfahrten des MGV vorsorglich nutzte, um sich die entsprechende Grundkondition zu sichern und Schaden abzuwenden. Zur größten Überraschung der Erstteilnehmer und anderer Greenhorns machten besonders die etwas reiferen Radler hier mehr als eine gute Figur, Manni muss hier unbedingt hervorgehoben werden. Mit der Kontinuität einer Zahnradbahn wurden hier beachtlich lange Steigungen abgehakt. Kurzer Hinweis in dieser Sache: sportlich ambitionierte Fahrer können den genauen Streckenlauf gerne von Dudi beziehen.
Nach zeitlich verpatzter Mittagspause (zu spät) und dem schlechtesten Nudelgericht der Welt, eingenommen an einer Dönerbude (diese Wahl ist dem Unterzucker und der schwachen Versorgung des Gehirns an den Anstiegen geschuldet), ging es frisch versorgt auf die letzten Anstiege. Gott sei Dank gab es den von so manchen Teilnehmern herbeigesehnten Kaffee bei einer verwandten bzw. verschwägerten lieben Familie kurz vor dem Ziel in Gusternhain. Hier fehlten weder die dringend benötigten erfrischenden Getränke noch ein leckeres Stück Kuchen, nebst Sitzgelegenheit für den geschundenen Hin...
So mancher hatte Freudentränen in den Augen, als er seinen Drahtesel nach 90 km, geschätzten 800 Höhenmetern, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 21 km/Std. und 4:55 Stunden reiner Fahrzeit in der Tiefgarage des Landhotels Glockenstube abstellen konnte. Es gibt wenig Vergleichbares mit der Wirkung einer erfrischenden Dusche nach so einem Tag. Aber es kam noch besser. Wer je an diesem Ort vorbei kommt, sollte unbedingt Hunger mitbringen und eines der sehr guten Fleischgerichte probieren (angeschlossene Metzgerei!). Selbst hartgesottene Gourmets lobten die Filetsteaks noch Tage später. Spät wurde es an diesem Abend, wie an den folgenden, aber nicht. Jeder waren froh, kurze Zeit nach dem Essen alle Viere in den gemütlichen Zimmern von sich strecken zu können.
Am Samstag freuten sich schon wieder fast alle auf die kommende Etappe, in der trügerischen Hoffnung auf viele Flachstücke, die über Dillenburg nebst Besichtigung der Fußgängerzone, zur Aartalsperre mit Kaffee und Kuchen, über Herborn zurück ins Hotel führte. Den letzten Kilometer auf dieser Strecke stellten sich die schlausten Füchse nicht. Die wenigen anderen erklommen das Dach der Tour, zumindest was den Steigungswinkel anbelangte, ohne unnötige Wartezeiten. So waren es an diesem Tage auch nur 85 km und ein Schnitt von gerade noch 17,65962655 km/Std. bei gleicher Fahrzeit wie am Vortag. Auf einer Abfahrt erreichte Tonsi hier immerhin ungeschlagene 75 km/Std. Endgeschwindigkeit auf seinem Mountainbike !
Der Sonntag machte dann am Morgen seinem Namen noch keine Ehre. Etwas müde ging es auf die Heimreise über Aßlar und Wetzlar, in Dankbarkeit, dass man im rechten Moment eine Autobahnbrücke als Unterstand nutzen konnte. Das ewige Verlangen nach Cafe Latte und eine günstig gelegene Eisdiele verhinderte ein zweites Mal das Nasswerden. Nach schnellem Wechsel von Sonne und Wolken verhinderte in Heuchelheim einmal mehr eine Brücke das Eindringen von Wasser an nicht willkommenen Stellen. Die magnetische Eigenschaft von Zielorten und die Aussicht auf einen letzten Etappensieg führten im Anschluss noch einmal zu einer deutlichen Erhöhung der Geschwindigkeit der Gruppe. So musste doch so mancher die Schmerzen beiseite schieben, bis die insgesamt 76 Tageskilometer in Cleeberg geschafft waren. Der Lohn war eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 21,5 km/Std. und ein gekühltes Bier im Hof der Fam. Hartmut Schmidt.
Alle waren froh, am nächsten Tag nicht mehr auf einen Fahrradsattel zu sitzen. Keiner will die Fahrt missen. Im nächsten Jahr wird es wohl an windstillen Tagen nach Holland gehen..., wenn Dudi endlich wieder auftaucht bzw. gefunden wird...und die Tour erneut plant.