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29. Juni 2003 CLEEBERG (kw). Große Erfolge feierten die Cleeberger Sänger in den vergangenen Wochen bereits zweimal. Sowohl beim Wettbewerb in Großholbach als auch in Beerfelden-Hetzbach holten die Cleeberger jeweils alle drei ersten Plätze. Für letzten Samstag hatte man sich dann auch ganz klar eines vorgenommen: "Jetzt wollen wir das Unmögliche möglich machen und holen das Tripel!". Wie bei den vorangegangenen Wettstreiten hatte man sich auch dieses Mal in der Klasse M1 angemeldet. Nur gab es einen gravierenden Unterschied, an diesem Samstag in Sulzbach bei Weinheim hatten sich die Sänger einen Schwierigkeits-Wettbewerb ausgesucht. Dabei zählen nicht nur Rhythmik, Intonation, Chorklang etc., sondern auch der Schwierigkeitsgrad des Werkes. Chorleiter Matthias Schmidt setzte da voll auf die Leistungsstärke seines Chores und wählte "Mundi renovatio" von Györgi Orban, mit dem die Cleeberger bereits bei den Hessischen und Deutschen Meisterschaften große Erfolge feierten. Als zweites Stück kam "The Drummer and the Cook" von Henry S. Matthew, ein seit diesem Frühjahr neu im Repertoire aufgenommener Chor zur Aufführung. Den Abschluss bildete "Only You" mit den beiden Solisten Björn Diebel und Michael Watz.

Bevor man jedoch die Bühne betrat, war Einsingen angesagt. Björn Diebel, der auch das Solo bei "The Drummer and the Cook" singt, fragte nach, ob jemand seine Notenmappe gesehen habe. Alle schauten sich ratlos an und stellten fest, man hatte sämtliche Noten im Cleeberger Bürgerhaus liegen lassen. Ein fast neues Stück aus dem Kopf singen, wenn das mal nicht in einer Katastrophe endet. Zum Glück hatte der 2. Vorsitzenden, Peter Diebel, seine eigene Mappe im Auto, und so konnte wenigstens Björn Diebel für sein Solo auf Noten schauen. Alles Murren half nichts und Hartmut Schmidt, der 1. Vorsitzende des Cleeberger Chores, appellierte an alle, sich jetzt noch mehr zu konzentrieren, man könne es jetzt eh nicht mehr ändern. Dass es sowohl Matthias Schmidt als auch den 58 Sängern bei dieser Aktion ganz schön flau im Magen war, kann man sich leicht ausmalen. Einige Cleeberger kamen sogar auf die Idee, man könne sich ja schwierige Stellen auf die Handinnenfläche schreiben, ganz wie früher in der Schule. Egal, "Augen zu und durch" war nun angesagt.

Dass auch bei diesem Schwierigkeits-Wettbewerb die Konkurrenz wieder aller erste Sahne war, konnte man an solch namhaften Chören wie Trösel unter Richard Trares oder Laudenbach unter Gerhard Wind ersehen. Aber genau diese Herausforderung suchen die Cleeberger Stimmakrobaten ja auch. Als vorletzter von 26 Chören betraten die Sänger um 21:30 Uhr die Bühne des Konzertzeltes. Applausverwöhnt waren die Cleeberger ja bereits aus ihren letzten Auftritten, bei denen sie vom Publikum frenetisch gefeiert wurden. Aber auch in dieser Hinsicht ist scheinbar eine Steigerung möglich. Erst als auch der letzte Sänger die Bühne verlassen hatte, beruhigte sich die enthusiastische Menge langsam. Das Verlassen des Zeltes wurde für die Cleeberger zu einem schwierigen Unterfangen. Sie mussten sich förmlich ihren Weg bahnen, um nach draußen zu gelangen, begleitet von Schulterklopfen, Händeschütteln und applaudierenden Zuschauern, von denen einige extra angereist waren, um den Chor aus Cleeberg live zu sehen.

Nach den Cleebergern war als letzter Chor Laudenbach unter Gerhard Wind an der Reihe, bevor nach einer Pause von 20 Minuten die Jurywertung bekannt gegeben wurde. Als einer der härtesten Mitbewerber um den Gesamtsieg war der Chor aus Trösel unter Richard Trares anzusehen. Und so kam es dann auch, bis es zur Wertung für Cleeberg kam, lag dieser Chor mit 410 Punkten an der Spitze. Dann holte der Moderator tief Luft und sprach: "Hier nun die Wertung für MGV Liederkranz Cleeberg: Schwierigkeitswertung: 150 Punkte, Chor 1 138 Punkte und Chor 2 ebenfalls 138 Punkte." Das waren satte 426 Punkte insgesamt, jetzt mussten die Mannen um Hartmut Schmidt nur noch auf die Punkte für Gerhard Winds Chor warten. Die Jury vergab an Laudenbach 424 Punkte und die Cleeberger waren völlig aus dem Häuschen. Zum dritten Mal hintereinander alle ersten Plätze, das macht ihnen so schnell keiner nach. Ach ja, von den in Cleeberg zurückgelassenen Noten sprach kein Mensch mehr.

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