Chorwettbewerb in Riva am Gardasee in Italien

Eigentlich war es eine langweilige Fahrt, denn es war - grob betrachtet - nichts Aufregendes passiert, außer, daß wir ein Silber-Diplom gewonnen hatten. Selbst dies muß man noch relativieren, da an die 102 teilnehmenden Vereine 26 goldene, 57 silberne und 18 bronzenen Diplome vergeben wurden, lediglich ein einziger Verein dürfte demnach leer ausgegangen sein.

Während der gesamten Dauer der Riva-Fahrt fehlten die Randerscheinungen und Einzelschicksale. Wo waren denn die Staus, die kontrollierten Grenzübergänge oder hinderlichen Bauernfahrzeuge? Da fiel auch kein Hirschgeweih von der Wand oder drangen Staubschwaden aus Parkettritzen. Es war alles so sauber, so ordentlich, so normal.

Doch nun die Meldungen im einzelnen: Kurz nach der Abfahrt in Cleeberg am Abend des 29. März setzte heftiges Schneetreiben ein, das aber schon am Morgen auf österreichischer Seite nachließ. Die letzten Happen des Mittagessens im Hotel in Riva waren noch nicht fertig gekaut, ging es auch schon weiter zu einer Weinprobe, bei der deftige Wurst- und Käsehäppchen gereicht wurden. Die Stimmung war am Sieden, trotz prall gefüllter Bäuche.

Am Sonntagvormittag inspizierten wir erstmal den Konzertsaal in Arco, ein Nachbarort von Riva, zur Generalprobe, und gleich danach traten wir den Tagesausflug nach Verona an. Das Mittagessen bestand aus prima Sauerländischen Würstchen, die, mit Brot und Senf genossen, eine wahre Delikatesse darstellten. Während der Besichtigung der Arena von Verona stellten wir uns auf dem Balkon über dem Marathon-Tor zu einem improvisierten Konzert auf. Auf die Akustik war bereits von den römischen Baumeistern soweit geachtet worden, daß jeder Ton ohne Verstärkung auf der gegenüberliegenden Seite der Arena zu hören war. Jetzt folgte noch ein kurzer Besuch der Stadt mit dem berühmten Romeo-und-Julia-Balkon und dann mußte die Rückfahrt nach Riva auch schon angetreten werden.

Den Vormittag des folgenden Tages, Montag 1. April, nutzen die Nichtsänger zu einer Schiffahrt auf dem windigen Garda-See, während die Sänger in aller Ruhe auf das große Ereignis des Wettbewerbs eingestimmt wurden. Dies zahlte sich für den Auftritt in hohem Maße aus, denn alles klappte wie am Schnürchen, angefangen von der Choreographie des Auftritts bis hin zum Gesang selbst. Und jeder konnte anschließend sicher sein, sein bestes gegeben zu haben. Man hatte ja im Vorfeld auf ein Bronze-Diplom gehofft, jetzt aber liebäugelte manch einer mit der Silber-Auszeichnung.

Am nächsten Tag herrschte trübes und windiges Wetter. Trotzdem brachen wir zur Tagesfahrt nach Venedig auf. Auf dem riesigen Busparkplatz von den Toren der Stadt stärkten wir uns wieder mit Sauerländischen Würstchen und fuhren dann mit dem Schiffsbus ins Zentrum der Lagunenstadt, dem Markusplatz mit Kampanile, Dogenpalast, Dom und Tauben. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um das Zurückgehen des Hochwassers mitzuerleben. Im Dom stellen wir uns kurzerhand zu einem geistlichen Konzert auf und verursachten dadurch einen Besucherstau. Ergriffen von dem überwältigenden akustischen Eindruck lauschten alle dem Gesang.

Am Abend, dann wieder zurück in Riva, bewahrheiteten sich die kühnsten Hoffnungen auf ein Edelmetall-Diplom - es wurde Silber. Die Heimreise am Mittwoch erfolgte stellenweise wieder bei starkem Schneetreiben. Trotzdem war allen warm ums Herz durch das Bewußtsein, sängerisch Optimales geleistet zu haben.